Mythos  Aachener Tivoli

 

Der Tivoli war ein deutsches Fußballstadion und stand in Aachen. Bis zum 26.07.2009 war es der Austragungsort für Fußballspiele des Zweitligisten Alemannia Aachen. Der Tivoli erlebte 4 Spielzeiten in der 1. Fußballbundesliga.

 

Der Tivoli lag in der Soers, im Norden von Aachen. Die Innenstadt ist nur 5 Minuten mit dem Auto vom Stadion entfernt. Das Stadion befand sich an der Krefelderstraße (B 57), nicht weit von der Autobahnstrecke A4 und A44 entfernt.

 

Der Name des Geländes geht auf ein altes Ausflugslokal , das „Gut Tivoli" zurück.

Der Name „Tivoli" hat seine Bedeutungen ursprünglich vom Synonym für Vergnügungsparks. Zudem sollten die Gelände „Gut Tivoli"  an die Gärten des italienischen Ortes „Tivoli" erinnern. Der ganze Bereich des nordwestlich des Lousbergs in Aachen gelegende Teil, wurde nach dem „Gut Tivoli" benannt.

 

„Regenschauer überm Tivoli..." Fangesänge wie diese, schallten in der Vergangenheit immer vom Würselener Wall bis hin zum S-Block. So wurden manche Spiele, Dank den Zuschauern auf dem Tivoli schon gewonnen. Nicht nur wegen den sportlichen Erfolgen der Alemannia hat der Tivoli sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Durch die Atmosphäre, die Enge und den steilen Tribünen hat sich der Tivoli berüchtigt gemacht. Der Tivoli hat sich vorallem durch die „Streichholzparade" nach den Abendspiele der Alemannia in Deutschland einen Namen gemacht. Dies war eine einzigartige Attraktion im deutschen Fußball. Dies brachte eine besondere Atmosphäre über den Tivoli, bei Abendspielen wurde dann kurz das Flutlicht ausgemacht und dann wurden Feuerzeuge, Streichhölzer und Wunderkerzen angezündet. Dies brachte ein kolossales Lichtermeer auf den Rängen. Mancher Gegner hatte Angst hierhin zu kommen, da die Spieler von Alemannia Aachen durch diese Attribute angespornt wurden und dadurch sehr heimstark waren.  Mehrere Generationen pilgerten zu jedem Heimspiel der Alemannia auf dem Tivoli. Der Tivoli gehörte zu den meistbesuchtesten Stadien der 2. Bundesliga. Bei der Auslastung lag der Tivoli deutlich vor anderen Stadien der 2. Liga, z.B. modernen Arenen wie die Allianz Arena von 1860 München oder dem Fritz-Walter Stadion des 1.FC Kaiserslautern, wo deutlich mehr Zuschauer reinpassten als in den Tivoli. 

 

 

 

 

 

Und das hat auch seine Gründe, denn trotz Neuerungen wie Rasenheizung oder neue Sitzschalen auf der Haupttribüne, hatte der Tivoli nichts von seinem nostalgischen Charme verloren. Man konnte das Geschehen, bis zum letzten Spiel, auf allen vier Tribünen hautnah aus 1 Meter Entfernung zum Spielfeld miterleben.

 

     

 

„Ein Stein gewordene Legende..."

 

... so beschrieb Werner Skrentny im Buch „Das große Buch der deutschen Fußballstadien" in seinem Text über den Aachener Tivoli. Er schrieb weiter:

 

„Hören wirklich Kenner Namen wie „Tivoli", „Rote Erde" und „Zabo", schnalzen sie gewiss mit der Zunge, denn diese Arenen stehen für gute alte Fußballzeit, die Oberliga, Libella-Limonade, dichte Zigarettenrauch-Schwaden über den Traversen und den Stehplatz „zu zwei fuffzig". Insofern ist also das Stadion der Alemannia Aachen, der Tivoli, ein Klassiker. Und auch, wenn der Anhang der Kartoffelkäfer das nicht teilt - womöglich war es ein Glücksfall, dass der Klub lange in der Drittklassigkeit verharrte, denn sonst stünde dort kein klassisches Fußballstadion mehr, sondern womöglich ein weiterer „Erlebniswelt-Tempel". "

 

Mit diesen Sätzen hat der Autor genau die richtigen Worte gefunden. Der Tivoli wird neben z.B. dem „Böckelberg" in Mönchengladbach oder die „Glückaufkampfbahn-Stadion" zu Gelsenkirchen-Schalke wohl einer der legändersten Stadien in Deutschland bleiben.

 

 

 

Tivoli Atmosphäre

  • „Der Alemannia-Anhang war unser 12.Mann. Ein Grund dafür war wohl die Volksnähe von Verein und Mannschaft. Wir waren von hier." (Herbert Gronen/101 Spiele in der Bundesliga für die Alemannia)

 

  • „Die tolle Stimmung vor und während der Spiele, ohne Ausschreitungen der Zuschauer, die hautnah bis an den Spielfeldrand mitfieberten." (Christoph Walter/74 Spiele in der Bundesliga für die Alemannia)

 

  • „Die Begeisterung der Zuschauer sowie die Heimatverbundenheit der Spieler, die sich mit dem Alemannia-Anhang identifizierten." (Alfred Glenski/21 Spiele in der Bundesliga für die Alemannia)

 

  • „Durch das herzliche Engagement der Aachener Zuschauer hatte man immer das Gefühl, vor ausverkauftem Haus zu spielen, wozu auch die Enge des Tivoli beitrug und zu der besonderen Verbundenheit zwischen Mannschaft und Publikum führte." (Jupp Martinelli/84 Spiele in der Bundesliga für die Alemannia)

 

Diese Zitate stammen von ehemaligen Bundesligaspielern, die 1967 mit der Alemannia, den ersten Aufstieg in die erste Liga geschafft hatten und 1969 hinter dem FC Bayern München die Vizemeisterschaft errangten. Zu diesen Alemannia-Aktiven gehört auch das Aachener Urgestein Josef „Jupp" Martinelli, der am 19. März 2006 seinen siebzigsten Geburtstag feiern konnte.

 

     

 

 

 

 

 

 

Bauliche Geschichte des Tivolis

 

Im März 1908 pachtete der Verein den städtischen Platz auf dem Neu-Tivoli und keiner wusste von diesem Zeitpunkt aus, dass dieses Gelände 101 Jahre bestehen bleibt. 1928 wurde aus dem städtischen Sportplatz Neu-Tivoli, das heutige Tivoli Stadion. Der städtische Sportplatz Neu-Tivoli lag direkt an der Krefelderstraße. Das Tivoli Stadion wurde 1928 direkt neben dem städtischen Sportplatz errichtet. Dort war vorher die 2. Spielfläche von Alemannia Aachen. Zudem kaufte der Verein die Fläche und war damit Eigentümer des Tivolis. Aus dem Sportplatz entstand ca. 1950 der Vorplatz des Tivoli-Stadions. Auf diesem Vorplatz fanden u.a. die Geschäftsstelle und der Fanshop ihren Platz. Am 03.06.1928, bei der Eröffnung des Tivolis, als Alemannia Aachen - Preußen Krefeld 4:3 schlug, fasste das Stadion 10.000 Zuschauer. 1939, als die Alemannia zur Endrunde der deutschen Meisterschaft teilnahm, musste der Verein aus Kapazitätsgründen wieder zum Waldspielplatz Siegel (heutige Waldstadion) zurückkehren, da der Zuschauerandrang zu groß war.

  Feierliche Platzeinweihung

 

 

1938 wurde der Tivoli zum ersten mal umgebaut. Die beiden Wälle des Stadions wurden erhöht, 904 neue Sitzplätze wurden errichtet, neue Umzäunungen für das Spielfeld gemacht , neue Verkaufsstände hingestellt und neue Zugangswege für die Zuschuer wurden angelegt.

 

Am 04.02.1939 wurde das Veriensheim ferierlich eingeweiht. Architekt war Reinhold Münzenberg, der 41-fache Nationalspieler von Deutschland und einer der berühmtesten Spieler von Alemannia Aachen bis heute.

 

Nach dem Kriegsende 1945, fanden die Verantwortlichen von Alemannia Aachen ein beschädigtes Stadion vor. 1953 wurde der Tivoli deswegen neu aufgebaut und erweitert. Es wurde der legendäre Stehwall errichtet. Zudem wurde der enge Spielertunnel erbaut. Es passten von nun an 20.000 Zuschauer auf dem Tivoli.

 

1957 fand man den Tivoli zu klein und man beschloss, den Tivoli wieder auszubauen. Für 330 000 DM wurde der Tivoli ausgebaut. Von dort an passten 33.200 Zuschauer in den Tivoli. Es wurde eine Flutlichtanlage gebaut. Die 240.000 Watt-Anlage mit 170 Lux war zu diesem Zeitpunkt die lichtstärkste Flutlichtanlage von Europa. Ein neues Vereinsheim wurde errichtet. Es gab eine neue 110 Meter lange Haupttribüne mit Wellasbest-Betondach und dazu eine Seitenverglasung. Die Seitenverglasung war eine Premiere in Deutschland, damit schuf der Tivoli wieder eine einzigartige Attraktion. Der Würselner Wall wurde mit Kriegsschutt aufgeschüttet und die Stehplatz-Gegengrade angeglichen. Zur Einweihung des Tivolis, am 28. August 1957 kam Español Barcelona. Fast alles blieb bis  heute im Orginalzustand. Legendär ist auch die Stadionuhr, die Höhe der Mittellinie auf der Haupttribüne ihren Platz 1957 fand. Sie und andere Dinge wurden in den Neuen Tivoli mit rüber gebracht, um den alten Tivoli nicht ganz zu vergessen.

 

 

Zu Bundesligazeiten 1967 wurden am Aachener Wall provisorische Stahltribünen errichtet. Sie boten 1.300 Leuten mehr Platz am Tivoli. Die Kapazität des Stadions stieg auf 29.900 Zuschauer.  Man beschloss das Stadion auf 42.000 Zuschauer zu erweitern, aber durch den Abstieg aus der 1.Bundesliga 1969/70 musste man diesen Beschluss auf Eis legen. Zudem kam der Verein Alemannia Aachen in die finanzielle Krise. Ende 1970 kaufte deswegen die Stadt Aachen, das Stadion Alemannia Aachen für 1,3 Milionen DM ab.

 

1973 wurde ein neues Umkleidehaus erbaut. Man baute einen neuen Aufgang zum Würselner Wall. Stattet den Platz mit einer Entwässerungsanlage aus. Zudem begang man mit den Erneuerungen der Stehplatzrängen.

 

1980 wurde die Gegentribüne überdacht. Die Bauzeit betrug nur 2 Monate. 440.000 DM wurde in die Überdachung investiert.

 

 

Im Sommer 1999 erhielt der Tivoli eine neue Rasenheizung, einen neuen Rasen und der leichte Höhenunterschied wurde nivelliert. An der Sitzplatztribüne wurden die Sitzbänke entfernt und durch Sitzschalen ausgetauscht. Dies bekam der Verein von befreundeten Klub Roda Kerkrade aus Holland. Roda Kerkrade bekam in der Saison 2000/01 ein neues Stadion, das Parkstad Limburg Stadion und sie stifteten die alten Sitzschalen des Sportpark Kaalheide an Alemannia Aachen.

 

Im April 2003 wurde der Tivoli mit einer modernen und großformatigen Video-Anzeigetafel auf dem Aachener Wall ausgestattet. Circa ein halbes Jahr später im Spiel Alemannia Aachen gegen den 1.FC Nürnberg wurde Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf mit einem Wurfgegenstand am Kopf getroffen. Deshalb wurden die Trainerbänke vor der Gegengrade, vor die Sitzplatztribüne verlegt und zusätzlich Fangnetzte um das Stadion aufgehangen.

 

Schließlich wurden 2004 komplett neue Sitzschalen angebracht, neue Drainagen gelegt,die Fläche zwischen Spielfeld und Zaun durch Steine befestigt und zudem wurde die Einsatzzentrale der Polizei und der Feuerwehr von der Sitzplatztribüne in ein Baukontainer im Block K auf dem Würselner Wall verlegt und untergebracht.

 

Im Sommer 2006 war die letzte Veränderung am Tivoli gemacht worden. Im S-Block auf der Gegengrade wurde ein Pressebereich eingerichtet und auf dem Vorplatz wurde das VIP-Zelt um eine Etage erhöht. Der Tivoli fasste in seinen letzten Jahre 21.300 Plätze und war damit aber immernoch einer der größten Stadien der 2. Liga.

 

 

 

Daten

 

Stadionname:

Tivoli-Stadion

Adresse:

Krefelder Straße 187, 52070 Aachen 

Baubeginn:

1925

Einweihung:

03. Juni 1928 (11.000 Zusauer)

Letzter großer Umbau:

1999/2000

Fassungsvermögen:

21.300
Sparkassen Tribüne: 3.700 überdachte Sitzplätze
AM Tribüne: 5.200 überdachte Stehplätze
Würselener Wall: 7.500 offene Stehplätze
Aachener Wall: 4.900 offene Stehplätze

Eintrittskarten:

Tel.: 01805 / 018011 (14 Cent/Min.)

Anfahrt:

Auto: Der Routenplaner auf bundesliga.de

Bahn: Der Routenplaner der Bahn AG

Bus: Zum Stadion fährt man mit der Linie 51 direkt bis vor den Haupteingang. Ab Bushof setzt die ASEAG bei Heimspielen Sonderbusse ein, die alle 10 Minuten abfahren. Vom Hauptbahnhof fahren die Linien 1, 11, 14, 21, 46, 56, 163 zum Bushof.

Für Gästefans: Stehplatz Aachener Wall, Eingang Merowinger Straße, abgegrenzter eigener Block mit guter Sicht 

 

 

 

 

Stadionplan

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos Tivoli - Stadion

  

 

 

 

 

 

Tivoli - Stadion Aachen

 

 

 

   

Stadionfilme Aachener Tivoli